Bundestag verabschiedet „CSR-Berichtspflicht“

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Große kapitalmarktorientierte Unternehmen müssen ab sofort neben finanziellen Aspekten auch über Corporate Social Responsibility (CSR) – sprich über ihr soziales und ökologisches Handeln berichten. Der Bundestag hat jetzt das Gesetz dazu am Freitagnacht (10. März 2017) verabschiedet.

Das Gesetz basiert auf einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2014 und hätte in sämtlichen EU-Staaten eigentlich bis 6. Dezember 2016 in nationales Recht überführt werden müssen. Die verspätete Verabschiedung in Deutschland ist zurückzuführen auf zusätzlichen Abstimmungsbedarf innerhalb der großen Koalition. Das Gesetz muss Ende März als Einspruchsgesetz noch durch den Bundesrat, was aber als Formsache gilt.

Statt Verantwortung mehr Bürokratie

Der VDMA hat das Vorhaben seit der Verabschiedung der entsprechenden europäischen Richtlinie (EU/2014/95) kritisch begleitet. „Es ist geradezu illusorisch, eine sozial und ökologisch verantwortungsvolle Unternehmensführung durch ein verordnetes Berichtswesen über diese Aspekte zu erreichen. Unternehmer entsprechen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns nicht aufgrund verpflichtender Berichte, sondern aus Überzeugung“, sagt Naemi Denz, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung.

"Unternehmer entsprechen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns nicht aufgrund verpflichtender Berichte, sondern aus Überzeugung“

„Eine Berichtspflicht, wie sie das aktuelle Gesetz vorschreibt, bringt viel Bürokratie ohne Mehrwert.“ Der VDMA befürchtet, dass die Auswirkungen des Gesetzes auch kleinere zu spüren bekommen – nämlich weil sie in vielen Fällen über die Lieferkette, um Auskunft zu ihrem sozialen und ökologischen Verhalten gebeten werden.

Die wichtigsten Gesetzesbestandteile im Überblick

  • Die „CSR-Pflicht“ gilt rückwirkend für Geschäftsjahre beginnend mit dem 1.1. 2017. Von der Pflicht betroffen sind alle kapitalmarktorientierten große Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen. Als groß gelten Unternehmen, die im Schnitt eines Geschäftsjahres mehr als 500 Mitarbeiter (weltweit) beschäftigen und deren Bilanzsumme entweder mehr als 20 Millionen Euro beträgt oder deren Umsatzerlöse sich auf mehr als 40 Millionen Euro belaufen.
  • Der nichtfinanzielle Bericht kann entweder intergiert im Geschäftsbericht oder als gesonderter Bericht, dann aber spätestens 4 Monate nach Bilanzstichtag erfolgen und er muss mindestens zehn Jahre auf der Internetseite des Unternehmens verfügbar sein.
  • Es gilt keine externe Prüfpflicht der Inhalte, falls Unternehmen ihren Bericht aber freiwillig prüfen lassen, so sind sie verpflichtet das Prüfergebnis mit dem Bericht zu veröffentlichen. Die Offenlegungspflicht für diese Prüfergebnisse gilt aber erst für Geschäftsjahre ab dem 1.1.2019.
  • Die Unternehmen können bei der Erstellung ihres CSR-Berichts auf bestimmte nationale, europäische und internationale Rahmenwerke zurückgreifen (z.B. GRI, DNK, ISO 26000, UN Global Compact…). Welchen Standard sie dabei anwenden, bleibt Ihnen überlassen. Es ist auch möglich, den Bericht frei zu erstellen, jedoch müssen die Unternehmen begründen, wenn sie keinen Standard nutzen.
  • Ein CSR-Bericht pro Konzern ist ausreichend und zwar nicht nur dann, wenn die Konzernmutter in der EU sitzt, sondern auch dann wenn die Mutter ihren Sitz außerhalb der EU hat. Jedoch muss der CSR-Bericht, den die außereuropäische Konzernmutter vorlegt, den Vorschriften der EU-Richtlinie entsprechen.

Unterstützung für VDMA-Mitglieder

Trotz aller Kritik unterstützt der VDMA seine Mitglieder bei der Umsetzung des neuen Gesetztes. „Wir haben vor kurzem einen Leitfaden zur Nachhaltigkeitskommunikation veröffentlicht, der praxisnah Hilfestellung für betroffene Unternehmen leistet. Darüber hinaus werden wir uns weiterhin für sinnvolle Rahmenbedingungen und die Freiwilligkeit von unternehmerischem Engagement einsetzen“, sagt Denz. Der Verband trägt das verantwortliche Handeln seiner Mitglieder zudem mit der Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence und der Aktionswoche Wir unternehmen was kontinuierlich nach außen. 

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