Integration von Flüchtlingen – nicht von Bürokratie abschrecken lassen

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Einen Beitrag zur Integration von geflüchteten Menschen in NRW leisten – die Hürden liegen nicht so hoch, wie Sie denken.

Der Erfahrungsaustausch zum Thema „Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung“ am 29. November 2016 in Dortmund zeigte, dass Unternehmen auch bereits aktiv werden können, bevor ein Flüchtling einen Sprachkurs absolviert hat. Viele Flüchtlinge bringen eine überdurchschnittliche Motivation, hohe Lern-und Leistungsbereitschaft, sowie Flexibilität und interkulturelle Erfahrung mit.

In einem Praxisbeispiel berichtete die Firma REMBE GmbH Safety + Control aus dem Hochsauerland, dass sie sich ganz bewusst dazu entschieden hat, Flüchtlinge einzustellen, bevor Integrations- und Sprachkurs begonnen haben. Von einer schnellen Beschäftigungsaufnahme und der positiven Motivation der Flüchtlinge können beide Seiten ihren Nutzen ziehen.

Über persönliche Kontaktaufnahmen in Flüchtlingsunterkünften konnte REMBE sechswöchige Praktika anbieten und vereinbaren. Exemplarisch berichtete Timo Liese, HR-Manager bei REMBE, über einen Fall, aus dem bereits ein festes Beschäftigungsverhältnis entstanden ist. Bei Asylantrag, Arbeitsgenehmigung und Registrierung für einen Integrationskurs hat das Unternehmen unterstützt.

Die Wartezeit zwischen Praktikum und Erteilung der Arbeitserlaubnis hatte der Flüchtling dazu genutzt, sich erste Deutschkenntnisse anzueignen. Der offizielle Sprachkurs folgt nun und wird parallel zur Arbeit absolviert. „Wir sind sicher, dass die Unterstützung von uns als Unternehmen eine gewinnbringende Investition ist. Unser neuer Kollege und wir als Unternehmen werden definitiv profitieren“, so Timo Liese.

Aufenthaltsstatus und Arbeitsmarktzugang

Im Flüchtlingsrecht werden Flüchtlinge unterschieden in Asylbewerber, anerkannte Asylberechtigte/Flüchtlinge, Kontingentflüchtlinge und geduldete Ausländer. Je nach Status ist der Anspruch auf Sozialleistungen und der Zugang zum Arbeitsmarkt verschieden.

  • Anerkannte Flüchtlinge/Asylberechtigte sind Personen, über deren Asylantrag positiv entschieden wurde. Sie haben eine Aufenthaltserlaubnis. Sofortige Einstellung in Arbeit und Ausbildung ist möglich. Eine Genehmigung der Ausländerbehörde ist nicht erforderlich.
  • Asylbewerber haben beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen Antrag auf Asyl gestellt. Sie verfügen über eine Aufenthaltsgestattung.
  • Geduldete haben eine Ablehnung des Asylantrags erhalten, die Abschiebung ist aber vorübergehend ausgesetzt.
  • Arbeit: Für Asylbewerber und Geduldete kann die Ausländerbehörde frühestens nach drei Monaten eine Beschäftigungsaufnahme erlauben. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) muss zustimmen. Die Bundesagentur für Arbeit darf einer Beschäftigungsaufnahme nur zustimmen, wenn keine bevorrechtigten Personen vorhanden und die Arbeitsbedingungen nicht ungünstiger als bei vergleichbaren inländischen Arbeitnehmern sind.
  • Ausbildung: Asylbewerber können eine Ausbildung ab dem vierten Monat und Geduldete ab dem Tag der Duldung beginnen.

Wer hilft bei Fragen rund um die Beschäftigung von Asylbewerbern und Geduldeten?

Es gibt individuelle Fördermöglichkeiten für Unternehmen, die einen Asylbewerber oder Geduldeten einstellen oder ausbilden möchten. Interessierte Unternehmen können sich gerne an die Projektgruppe Flüchtlinge der Arbeitsagentur wenden:  Nordrhein-Westfalen.Fluechtlinge@arbeitsagentur.de wenden.

Darüber hinaus gibt es noch Informationen bei:


Spracherwerb

Der frühzeitige Erwerb von Deutschkenntnissen (allgemeinsprachlich und berufsbezogen) ist notwendige Voraussetzung für die berufliche Integration von Flüchtlingen. Die Zuständigkeiten für den Deutschunterricht liegen bei den Ländern und beim BAMF. Die Aufgabe der BA besteht darin, Förderbedarfe hinsichtlich der Deutschkenntnisse im Beratungsgespräch oder mittels des Angebots des Berufspsychologischen Services (BPS) zu erkennen und auf dieser Basis Deutschförderung – insbesondere beim BAMF – einzuleiten. Informationen zum Angebot an Deutschkursen finden Sie hier.

Eine Vielzahl an allgemeinen Sprachkursen, die nicht vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden, können vorgelagert von Nutzen sein. Eine Übersicht der nordrhein-westfälischen Einrichtungen, die zusätzlich Kurse durchführen, finden Sie auf www.schulministerium.nrw.de/docs/Weiterbildung/Sprachfoerderung/Uebersicht-Anbieter-zusaetzlicher-Sprachkurse-VHS-und-WbG-Einrichtungen.pdf

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