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Wettbewerbsfaktor Umwelt

19.05.2016 | id:13452884

Ressourceneffizienz ist ein Wettbewerbsfaktor in der Unternehmensstrategie. Auch die Politik hat das Thema für sich erkannt und weiß, für die Umsetzung ist die Industrie der Schlüssel.

Neben der Neuauflage des Ressourceneffizienzprogramms der Bundesregierung (Progress II) gibt es verschiedene flankierende Aktivitäten, Allianzen und Initiativen seitens der Bundesländer. Sie alle eint das Ziel, die Ressourcennutzung zu verbessern sowie die Umwelt zu entlasten.

Ziele nur mit der Industrie erreichbar

Ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg liegt in der sinnvollen, effektiven Einbindung der Investitionsgüterindustrie. Das Umweltbundesamt sieht den Maschinenbau im Zentrum der industriellen Innovationsprozesse. Letztere machen eine kontinuierlich steigende Ressourceneffizienz erst möglich. Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit seinen zahlreichen energie- und materialeffizienten Neuerungen steter Vorreiter für zukunftsweisende Trends und Entwicklungen. Er ist somit ein wichtiger Wegbereiter für die Entkopplung des Ressourcenverbrauchs vom Wirtschaftswachstum.

Politische Ansätze, die die Ressourceneffizienz im Konsumgütersegment steigern sollen, lassen sich nicht bedingungslos auf langlebige Investitionsgüter übertragen. Der VDMA fordert an dieser Stelle klare Differenzierungen seitens der Politik. Eine industrielle Großanlage oder eine moderne Galvanik sind nicht mit einer Kaffeemaschine oder einem Staubsauger zu vergleichen.

Wasser – ein Schlüssel zum Erfolg

In der Industrie, die weltweit ungefähr 24 Prozent des Wasserverbrauchs verursacht, ist die Kreislaufführung ein Schlüssel zur Ressourcenschonung. Geschlossene Wasserkreisläufe reduzieren die Wasserentnahme und minimieren die Abwasserbelastung. Von der Rohwasseraufbereitung aus Grund- und Oberflächenwasser über die Abwasserbehandlung bis zur Klärschlammentsorgung bietet die Investitionsgüterindustrie Verfahrenskonzepte an.

Die EnviroChemie GmbH entwickelt zum Beispiel ressourcen- und energieeffiziente Lösungen für die Industrie. „Mit maßgeschneiderten Anlagensystemen kombinieren wir den sinnvollen Umgang mit Wasser, Rohstoffen und Energie“, sagt Dr. Gerd Sagawe, Direktor strategische Geschäftsentwicklung bei EnviroChemie und Mitglied im Industrielenkungskreis Blue Competence. Aus der Kombination von biologischer Abwasserbehandlung, Biogasgewinnung, Energierückgewinnung und Molkeverwertung resultiert beispielsweise für eine Großmolkerei ein deutlich reduzierter Primärenergieverbrauch. Das aus Abwasserinhaltsstoffen und biologischen Reststoffen erzeugte Biogas wird zur Dampferzeugung genutzt.

Alternativer Korrosionsschutz

Aufgrund des Verwendungsverbots von toxischem Chrom VI als Korrosionsschutz in der Automobilindustrie hat die Voss Fluid GmbH eine Alternative auf Zink-Nickel-Basis entwickelt. Zur Herstellung dieses ungefährlichen Korrosionsschutzes hat sie eine moderne Galvanik- Anlage konzipiert, die nicht nur hohen Umweltstandards genügt, sondern auch energie- und materialeffizient wirtschaftet. Voss Fluid senkte den jährlichen Energieverbrauch damit um mehr als 490 Megawattstunden. Die Online- Analytik optimiert die Kontrolle des galvanotechnischen Prozesses und damit auch den Ressourceneinsatz.

Durch die Verwendung von Brauchwasser spart das Unternehmen zusätzlich Trinkwasser ein. Anfallende Metallreste bereitet Voss Fluid auf und führt sie in den Produktionskreislauf zurück.

Auch im Arbeitsschutz hat das Unternehmen Erfolge erzielt: Durch die Abluftabsaugung über den Galvanikbecken und die Reinigung durch einen Luftwäscher hat Voss Fluid die Schadstoffgrenzwerte um das 250-Fache reduziert.

Ressourcenschonender produzieren

Die Spaleck GmbH & Co. KG investiert fortlaufend in effiziente Betriebsmittel. Für den Förder- und Separiertechnikhersteller ist dies eine wichtige Stellschraube zur Verbesserung der Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Dabei sind es nicht nur Großinvestitionen wie eine neue Lackieranlage oder die modernisierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die zur Entlastung der Umwelt beitragen. Es ist auch die Vielzahl an kleinen Verbesserungen, beispielsweise der Einsatz von Druckminderern in Druckluftpistolen, die helfen, die Umwelt zu entlasten und zugleich kostengünstiger zu produzieren. Für die Zukunft plant der Mittelständler den Kauf von Elektrofahrzeugen, 100 Prozent Ökostrom-Betrieb in der Produktion sowie Lease-Bikes für die Mitarbeiter – als Alternative zum privaten Pkw.

Ein lohnendes Geschäftsmodell

Die Beispiele illustrieren die Notwendigkeit, Ressourceneffizienz als ganzheitlichen Ansatz im Geschäftsmodell zu verstehen. Bilanzrahmen ist nicht mehr nur das eigene Unternehmen, auch Partner und Zulieferer werden eingebunden.

Die VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence bringt seit vier Jahren erfolgreich Unternehmen zusammen, die Verantwortung zeigen und Energiekonzepte oder Ressourcenschonung mit sozialen Aspekten verbinden. Sogar Auszubildende werden aktiv in den Ideenprozess eingebunden, wie der Blue-Competence- Wettbewerb „Nachhaltigkeit ist ein Geschäftsmodell“ jüngst verdeutlichte. Gewonnen haben zwei Auszubildende der Wacker Neuson SE mit einem intelligenten Beleuchtungskonzept. In der Konzernzentrale in München konnte damit ein jährliches Einsparpotenzial von 3.000 Euro generiert werden. Dieses Projekt soll konzernweit umgesetzt werden.

Politische Programme willkommen

Endliche Ressourcen, eine wachsende Weltbevölkerung und steigender Ressourcenbedarf erzwingen Effizienzmaßnahmen und innovative Lösungen. Politische Programme zur Steigerung der Ressourceneffizienz sind daher sehr willkommen – vorausgesetzt, sie beruhen auf Freiwilligkeit und die Instrumente stimmen.

„Wir begrüßen das neue Ressourceneffizienzprogramm, weil die Bundesregierung viele VDMA-Ideen aufgenommen hat. Vor allem die engere Verknüpfung von Energie- und Materialeffizienz findet sich darin wieder“, sagt Naemi Denz, Leiterin der VDMA-Abteilung Technik und Umwelt und Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung. Sie bemängelt aber, dass eine deutliche Trennung zwischen Investitions- und Konsumgütern nach wie vor fehle.

Weitere Erfolgsgeschichten finden Sie unter: www.wir-unternehmen-was.de und www.bluecompetence.net

Bildquelle: EnviroChemie

Herzog-Kuballa, Judith
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